Emerging Markets

Unter einem sogenannten Emerging Market wird der Markt eines Landes verstanden, das sich als Schwellenland auf dem Weg von einem Entwicklungsland zu einem Industrieland befindet und über ein hohes Wirtschaftswachstum verfügt. Der Begriff “Emerging Market” wurde in den 1980er Jahren von Antoine van Agtmael, einem Ökonomen der Weltbank, geprägt.

Es existiert keine einheitliche Definition darüber, welche Länder (respektive deren Märkte) zu den Emerging Markets zählen und welche nicht. Unterschiedliche Institutionen pflegen jedoch eigene Listen, wie etwa der Finanzdienstleister Standard & Poor’s (19 Länder), das Verlagshaus Dow Jones & Company (35 Länder) oder das Kreditkartenunternehmen MasterCard (33 Länder). Weit verbreitet ist hierbei der sogenannte MSCI Emerging Market Index, ein vom Finanzdienstleister Morgan Stanley Capital International berechneter Kursindex aus den Aktien dieser Märkte. Die in diesem Index aufgelisteten Länder entsprechen bis auf einige Ausnahmen (Hongkong, Singapur und Saudi-Arabien) der Auflistung der wissenschaftlichen Fachzeitschrift “The Economist”. Es handelt sich um folgende Länder:

Afrika
– Ägypten
– Marokko
– Südafrika

Asien
– China
– Indien
– Indonesien
– Malaysia
– Philippinen
– Südkorea
– Taiwan
– Thailand

Europa:
– Polen
– Russland
– Tschechische Republik
– Türkei
– Ungarn

Südamerika:
– Brasilien
– Chile
– Kolumbien
– Mexiko
– Peru

Hervorzuheben sind dabei die als “BRIC-Staaten” bezeichneten Länder Brasilien, Russland, Indien und China, die als besonders wirtschafts- und wachstumsstark gelten und darüber hinaus allein durch ihre Bevölkerungszahlen eine Sonderrolle einnehmen.

Emerging Markets sind für Investoren interessant, da das hohe Wirtschaftswachstum sowie die überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach (hochwertigen) Konsumgütern für attraktive Renditen sorgen. Darüber hinaus existieren meistens ein im Vergleich zu den Industrienationen niedrigeres Lohnniveau und (insbesondere in den BRIC-Staaten) weitreichende Rohstoffquellen. Ebenfalls günstig ist die demographische Verteilung, die sich durch einen hohen Anteil junger Menschen auszeichnet.

Diesen Vorteilen stehen jedoch einige Risiken gegenüber. So sind die Märkte sehr volatil, also unstabil. Darüber hinaus können (ungünstige) Währungsschwankungen auftreten und die Rechtssysteme sind nicht überall gefestigt. Daher sind Korruption und Vetternwirtschaft weit verbreitet.

Nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zählen die Emerging Markets (auch trotz der Unsicherheiten) derzeit zu den Wachstumsmotoren der Welt. Während in Europa in den nächsten Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 1,5 Prozent pro Jahr und in den USA mit 2,5 Prozent pro Jahr gerechnet werden kann, werden beispielsweise für China 10 Prozent und für Indien 8,2 Prozent erwartet. Dieser “Aufholprozess” wird insbesondere durch die Globalisierung, die ungünstige demographische Entwicklung in den Industrieländern sowie die dort zunehmende Rohstoffknappheit beeinflusst.